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Ottl lenkt,

Ottl zerstört, Ottl erstaunt

 


 28.09.2006 Mit 21 Jahren hat man noch Träume. Andreas Ottl zum Beispiel träumte vor der Saison davon, in möglichst vielen Bundesligaspielen des FC Bayern zum 18-köpfigen Kader zu gehören und „ein paar Spiele mehr“ zu machen als in der letzten Saison (8). Am vergangenen Wochenende träumte er davon, beim Champions-League-Spiel des FC Bayern in Mailand zum Einsatz zu kommen („Es wäre sicherlich ein Höhepunkt meiner sehr jungen Karriere&ldquo. Andreas Ottl hat Glück. Für den Blondschopf scheint das Jahr gekommen zu sein, in dem Träume wahr werden.

In vier der ersten fünf Bundesligapartien gehörte Ottl zur ersten Elf des deutschen Rekordmeisters, am Mittwoch bestritt er - erneut als Teil der Startformation - gegen Inter Mailand das erste Champions-League-Spiel seiner Karriere. Und was für eines! Das Fachmagazin „kicker“ kürte den gebürtigen Münchner zum „Spieler des Spiels“ und Felix Magath gab ihm eine Bestnote: „Was er heute gezeigt hat, ist für jemanden in seinem Alter außergewöhnlich.“

Zerstörer und Motor

Beim 2:0-Sieg gegen Inter spielte Ottl eine entscheidende Rolle. An der Seite von Mark van Bommel agierte er im zentralen Mittelfeld und überzeugte dort sowohl als Zerstörer des gegnerischen als auch als Motor des eigenen Spiels. „Er hat bewiesen, dass er ein großes Talent ist, mit dem man rechnen kann“, war Karl-Heinz Rummenigge nach der Partie voll des Lobes. Franz Beckenbauer meinte: „Es ist erstaunlich, wie abgeklärt er vor der Abwehr gespielt hat.“

Die größte Auszeichnung erhielt das FCB-Eigengewächs aber noch während des Spiels, als sein Gegenspieler Luis Figo in der 67. Minute ausgewechselt wurde. Der Champions-League-Debütant hatte den ehemaligen Weltfußballer, der sein 131. Europapokalspiel absolvierte, abgemeldet. Bissig in den Zweikämpfen und aufmerksam als Abfangjäger eroberte Ottl unzählige Male den Ball und zerstörte so das Aufbauspiel der Mailänder schon früh.

Ottl bleibt cool

„Er hat heute gezeigt, dass er tatsächlich die nötige Aggressivität hat, um diese Position auf diesem Niveau auszufüllen“, sagte Magath später. Besonders gut gefiel dem FCB-Chefcoach aber, dass der 21-Jährige das Spiel des deutschen Rekordmeisters auch „maßgeblich gelenkt“ hat. „Er hat den Ball nach vorne gebracht, er hat die Seiten gewechselt, er war immer anspielbar“, so Magath. Alles in allem: „Er hat heute exzellent gespielt.“

Und was sagt Ottl selbst zu seinem Debüt? „Ich freue mich, dass ich in diesem schönen Stadion und gegen so eine super Mannschaft spielen durfte“, sagte er so unaufgeregt, wie er zuvor gespielt hatte. Auch wenn es mal hitzig wurde auf dem Platz, behielt der U21-Nationalspieler kühlen Kopf. Das galt auch noch nach dem Spiel, als er von allen Seiten gelobt wurde. „Fußball ist ein schnelles Geschäft, deswegen will ich nicht einen zu hohen Luftsprung machen“, meinte er nur.

Der Traum geht weiter

Mit dieser Leistung auf und neben dem Platz darf Ottl nun den Traum vom Stammspieler träumen. „Wenn er diese Leistung in etwa weiter bringt, hat er gute Aussichten, zum festen Stamm zu gehören“, sagte Magath. Ottl bleibt dennoch gelassen. „Ich versuche einfach, mich anzubieten. Das ist mein Ziel“, meinte er. Aber träumen wird ja noch erlaubt sein.
20.10.06 14:19
 


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